Unterer Stausee

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Was hat man nicht schon alles gehört, gelesen und auf Video gesehen?

MEQUINENZA – das Mekka der Waller- und Karpfenangler in Spanien! Wer schon des öfteren mit dem PKW oder Wohnmobil in Spaniens Provinzen jenseits des Tourismus unterwegs war, merkt sofort, dass hier in Mequinenza irgendwas anders ist. Man hat den Eindruck, dass dieser kleine unscheinbare Ort sich extra schön rausgeputzt hat um vielleicht ein bevorstehendes Fest zu feiern, was ja nicht selten ist in Spanien. Aber dieser Eindruck trügt, denn hier sieht es das ganze Jahr so schniecke aus. Grund hierfür sind u.a. natürlich die vielen Angler, welche nicht nur aus ganz Europa sondern auch von Übersee hier den Wallern und Karpfen nachstellen. Halt ein Tourismus der ganz besonderen Art, der diesem Örtchen ein bisschen Geld in die Stadtkasse spielt.

mequi_2Mequinenza bei Nacht – das hat doch was!

Im Gegensatz zum oberen Stausee, wo man extrem tiefe Stellen und viel klares Wasser vorfindet und so gut wie keine Strömung wahr nimmt, ist das hier eine ganz andere Nummer. Wassertiefen zwischen 1,50 und 8 m, leichte bis mittlere Strömung, sehr viel Sedimentablagerungen – also Schlamm, trübes Wasser, sowie gestrandetes Treibgut in Form von Bäumen. Diese Zustand hört sich im ersten Moment echt nach einer Herausforderung an, aber genau solche Umstände lieben die Waller und Karpfen.

Der Grund für diese „Herausforderung“ ist der, dass kurz vor Mequinenza der Fluss Rio Cinca in den Rio Segre mündet und dieser an Mequinenza vorbei läuft um letztendlich am Ortsausgang im Rio Ebro zu enden.

So viel vorab zu den örtlichen Gegebenheiten. Das Fischen hier findet zu 95% vom Ufer aus statt. Dafür sorgen hier jede Menge Uferplätze. Viele Angler sind hier in kleinen Gruppen verteilt, teils aus eigenen Stücken, teils aus anderen Camps. Das „Miteinander“ ist hier sehr angenehm, will heißen, es gibt wenig Streitereien am Wasser und die Hilfsbereitschaft ist bei kleinen Problemchen enorm groß, zumindest was das Untereinander der verschiedenen Camps in dieser Region angeht. Klar, auch unter den Anglern sind immer wieder mal ein paar Problemfälle unterwegs, wo man aber weiß, dass der Aufenthalt ja nicht unbegrenzt ist 🙂

Hier, genauso wie oben, besteht ein Nachtangelverbot. Das Wallerfischen ist von 06:00 Uhr bis 24:00 Uhr gestattet und beim Karpfenfischen gilt eine Zeit von einer Stunde vor Sonnenaufgang bis einer Stunde nach Sonnenuntergang. Während der Nachtstunden dürfen die Ruten nicht im Wasser sein. Ein Übernachten am Wasser wird von den Behörden geduldet (geduldet ist nicht gleich offiziell erlaubt!). Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich ein sauberer Angelplatz. Ein „Windschutz“ ohne festen Boden kann genutzt werden. Ich habe mit Absicht nicht das Bivvy genannt, weil ein Schirm, von den klimatischen Verhältnissen her, völlig ausreichend ist. Da hier nahezu alle Plätze bequem mit dem PKW erreichbar sind, werden in unregelmäßigen Abständen auch Kontrollen durchgeführt. Nur so viel vorweg, bei Verstößen sind die Spanier nicht zimperlich und scheuen sich auch nicht den Zahlungsbefehl per Einschreiben an die heimische Adresse zu senden. Um noch schnell die letzten beiden Punkte zu nennen, auch hier ist die Verwendung von lebenden wie auch toten oder Teile von toten Köderfischen untersagt und für die Ausübung der Fischerei bedarf es zum einen die Jahreslizenz Arágon plus der Tages- bzw. Wochenkarte (Coto) vom Angelclub Mequinenza.

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Um gezielt auf Waller zu fischen, kommt man ohne ein Boot zum Auslegen der Ruten und Köder kaum zurecht. Zum einen dienen Wallerruten, bestückt mit mehreren Pellets und Gewicht, nicht zum Auswerfen (die Rutenspitzen mögen das gar nicht) und zum anderen, fressen die Fische überwiegend dort, wo sie regelmäßig natürliches wie auch eingebrachtes Futter vorfinden. Diese Hot-Spots liegen meist um die 100-200 Meter vom Ufer entfernt. In der Regel werden hierfür Schlauchboote oder kleine Motorboote eingesetzt.

Die beste Methode zum Auslegen der Ruten ist, wenn man dieses zu zweit erledigt. Einer der fährt, bzw paddelt und ein weiterer der bei den Ruten steht und das „Abwickeln“ der Schnur aufmerksam beobachtet. Hier empfiehlt es sich absolut nicht, die Ruten über die Rollenbremse bei geschlossenem Bügel auszubringen und schon gar nicht, wenn das Boot motorbetrieben ist. Kaum eine Rollenbremse und deren Innenleben wird dem wohlgesinnt gegenüber stehen 🙂

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Bei dieser „Pose“ sollte das Ausbringen der Ruten kein Problem darstellen und man kann ggf. eingreifen. Sicherlich wird sich der ein oder andere unter Euch fragen, warum hier kaum auf das Karpfenfischen eingegangen wird. Im Grunde unterscheiden sich die Techniken recht wenig. Beide Montagen sind mit einem Haar ausgestattet und Karpfen halten sich ebenfalls dort auf wo regelmäßig Nahrung zu finden ist. Letztendlich ist das Gerät für Waller einige Nummern stabiler und mächtiger, der Hakenköder ein bisschen größer und beim Wallerfischen ist ein Rod Pod nicht die beste Lösung 🙂

Beide Arten können bequem durch Uferansitz von einem Platz aus befischt werden und wenn schon ein Boot zur Ausrüstung gehört, dann lohnt es sich natürlich auch, die Karpfenruten punktgenau abzulegen.

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Wie eingangs bereits geschrieben, ist das Uferangeln hier die meist getätigte Art zum Fischen auf Waller und Karpfen. Wem jedoch beim Wallerfischen das Ufer zu langweilig erscheint, der kann natürlich auch auf’s aktive Fischen (vom Boot aus) umsteigen. Große Wobbler und Blinker gehören sicherlich zum Adrenalinanstieg, aber meine absolute Passion ist das Wallerholz.

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Natürlich ist ein Schlauchboot nicht unbedingt die erste Wahl, geht aber zur Not auch. Bei diesem Bild soll ja nur gezeigt werden, was den „Blobb“ ausmacht. Mit ein bisschen Übung kann man schon einen einfachen Ton erzeugen. Es gibt auch Naturtalente wo es gleich auf Anhieb funktioniert, dass sind aber eher die Ausnahmen. Das schöne bei dieser Angelart, man braucht maximal zwei Ruten, eine Tasche mit Kleinteile, die richtigen Köder und ganz wichtig …. ein anständiges Echolot!

Hat man einen Hot-Spot gefunden, kommen die Köder an den Haken. Wir verwenden hierzu überwiegend Tauwürmer als Bündel oder sogenannte Teaser. Teaser sind meist fransenartige Gummiköder mit 200-300 Gramm Bleigewicht und einem eingelassen Drilling. Durch leichte Auf- und Abbewegungen der Rute schlängeln die Würmer oder Teaser schön im Wasser auf ab.

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Wer mit dem PKW anreist, kann sich seine Würmer ganz sorgenfrei von Zuhause aus mitbringen. Vorbestellt beim Händler werden diese meist zu 250 oder 500 Stück in großen Styroporpackungen verkauft. Darin überstehen die Würmer die Anreise von 20 Stunden und mehr unbeschadet. Um Euch gleich ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen, sei gesagt, dass es in unserer Region absolut sinnlos ist, am Abend mit der Kopflampe Würmer zu suchen – keine Chance bei dem Untergrund 🙂

Ein vernünftiges Echolot ist in der Lage den Köder und die aufsteigenden Waller anzuzeigen. Beim Klopfen reagieren manche Fische neugierig, manche aggressiv und manche aber auch gar nicht. Interessant wird es beim Klopfen dan, wenn die Waller steigen und sich genau beim Köder aufhalten, ja das ist tatsächlich auf einem Echolot sichtbar.

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Hier kann man wunderbar direkt bei der 8 (8 Meter, rechte Skala) die zwei dünnen schwarzen Linien erkennen. Diese stellen unser Blei und unseren Köder da. Die gelb-orangen Schlängellinien sind Waller, welche sich gezielt den Köder betrachten. Und genau das sind die Momente, wo es mucksmäuschen still auf dem Boot wird und jeder das Atmen vergißt.

Natürlich sind auch hier Zander und Barsch vertreten, jedoch nicht in einer solchen Population wie im oberen Stausee. Wer also auf den „Fisch seines Lebens“ aus ist, und dieser auch noch der Gattung Waller angehören soll, der ist hier am unteren Stausee bestens aufgehoben.