Oberer Stausee

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Der oberere Stausee ist das Gewässer für Barsch- und Zanderangler in Europa schlechthin!

Glasklares Wasser, unendliche Wasserflächen, große und kleine Buchten, Inseln, Untiefen und vor allem eine atembraubende Landschaft lassen das Anglerherz in ungeahnte Höhen schlagen. Wenn man ständig von einem Angelvirus hört, kann man sich sicher sein, dass genau hier der „Keim“ zu finden ist.

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Dann wollen wir mal los …. direkt hinter der Staumauer und dann flussaufwärts wartet das Paradies. Links unten auf dem Foto wo die Fahrzeuge auf dem kleinen Parkplatz erkennbar sind, befindet sich der Bereich wo die Boote zu Wasser gelassen werden. Noch etwas weiter links befinden sich die Nachtliegeplätze. Dieser Bildauschnitt zeigt schon eine beträchtliche Wasserfläche, wenn man an seine heimischen Vereinsseen denkt, allerdings fängt es hier gerade an. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt in diesem Bereich rund 50 m. Bereits 3-5 Meter vom Ufer entfernt geht es schon runter auf 30 Meter – daher sollte man schon um die Biegung herum fahren.

Jedoch nicht mit Vollgas los und weg, sondern gerne im Uferbereich per Schritttempo den Wobbler hinterhergezogen. Denn trotz der enormen Tiefe halten sich Zander und Barsch gerne in wenigen Metern Tiefe direkt im Uferbereich unterhalb der Steilwände auf. Und genau in diesen Steilwänden sind wohl die seltensten Bewohner Europas zu finden. Man sagt, dass hier am Ebro die einzigsten Brutplätze wild lebender Gänse-Geier vorkommen, also ein Griff zur Kamera lohnt sich auf jeden Fall.

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Ihr merkt schon, wir schweifen ein wenig vom Thema ab. Aber selbst nach vielen Jahren Ebro fasziniert dieses Fleckchen Erde uns noch immer wie am ersten Tag. Je weiter die Tour flussaufwärts geht, desto mehr Hot-Spots sind zu finden und vor allem beginnt es dann langsam im Uferbereich flacher zu werden. Ein echter Hot-Spot sind eigentlich immer die Ecken der Einfahrten zu den unzähligen Buchten oder die Spitzen, kleiner ins Wasser hineinragender, Landzungen. Wenn man die oben dargestellte Grafik des oberen Stausees genau betrachtet, wird man schnell erkennen, wieviel Buchten sich hier in’s Landschaftsbild hineinschneiden. Wenn es die Windverhältnisse zulassen, das Boot per Anker auf Wurfenternung fixieren und dann gerne Gummis mit Jigköpfe um die 14-18 g einsetzen.

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Weiß, weiß-blau oder auch Schockfarben sind ein MUSS in jeder Tacklebox. Natürlich sollten aber die Naturfarben nicht fehlen. Gummis der Größe 12-15 cm sind ideal für Zander, welche aber auch der Barsch nicht außer acht lässt. Wenn es gezielt nur auf Barsch gehen soll, dann eignen sich kleinere Gummis von 5-10 cm hervorragend. Durch den Einsatz von kleinen Spinnerbaits kann man oft schon echte „Sternstunden“ erleben.

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Bevor wir jetzt aber weiter in die Buchten hineinfahren, gibt es natürlich auch noch im Freiwasser so manche Hot-Spots. Um diese zu finden ist zwingend ein Echolot von Nöten. Neben den Steilwänden und den Einfahrten zu Buchten sind auch Flachwassergebiete super interessant. Wenn wir von Flachwasser bei der Zander- und Barschangelei reden, dann meinen wir Tiefen bis ungefähr 6 Meter. Teilweise mehrere Fussballfelder groß erstrecken sich diese Bereiche und sind immer ein Versuch wert, gearde dann, wenn die vorangenannten kein bis wenig Erfolg brachten. Wie um Gottes Willen soll jetzt aber ein „Neuling“ hier soetwas finden ohne stundenlang umherzuirren?

Ganz so schwierig ist das nicht. Man muss nur aufmerksam das Ufer beachten und versuchen dieses zu lesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man an steilen Ufern eine Flachwasserzone findet ist sehr gering. Flach abfallende Uferbereiche hingegen sind schon potentioelle Verdächtige für ein Flachwassergebiet.

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Hier wird man mit Sicherheit keine Flachwasserzone im Uferbereich vorfinden, diese Steilwände sind perfekt für kleine Schlepptouren mit Wobbler.

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Jaaaaa… das haben wir gesucht! Keine Felsen oder steile Kanten im Hintergrund, hier gibt es Flachwasser ohne Ende, welche uns das Echolot jetzt auch zeigen wird. Perfekt um in allen Richtungen fischen zu können, gerade dann, wenn Ihr zu dritt unterwegs seid. Gummi bis auf den Grund absinken lassen und durch Zupfen wieder einholen. Oftmals kommen genau dann die Bisse, wenn das Gummi gerade wieder zu Boden sinkt.

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Und genau das ist der Grund, warum man auch unbedingt in flacheren Gefilden einen Versuch starten sollte. Also fassen wir bis hierhin nochmal kurz zusammen….

Steilwände sind prädestiniert für Schlepptouren (kommen wir gleich noch drauf zurück) aber auch für kurze Stopps mit dem Gummi, Einfahrten zu den Buchten oder Landzungen ein absolutes MUSS, Flachwasserzonen nie außer acht lassen!

Welche Hot-Spots sind im Freiwasser noch zu finden? Zum einen sollte man bei ruhigem bis windstillen Wetter einen genauen Blick auf die Wasseroberfläche werfen. Wenn die Räuber aktiv und in Fresslaune sind, erkennt man das „auseinanderspritzen“ der Brut- oder Laubenschwärme an der Oberfläche. Mit etwas Abstand zu dem Geschehen lohnt sich das Anwerfen mit kleinen Gummis oder Wobblern auf jeden Fall.

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Das hier ist so ein Kandidat, der gerne mal einen Schwarm auf’s Korn nimmt. An feinem Gischirr macht dieser Barsch schon mächtig viel Spaß.

Ja, und zum anderen gibt es unter Wasser reichlich Bäume und Felsen, welche gerne den Räubern als hinterlistige Stellungen dienen und unbedingt angeworfen werden wollen. Allerdings ohne Echolot kaum auszumachen. Es sei denn, die Baumspitzen ragen aus dem Wasser.

Wo wir auch schon beim nächsten Thema sind!

Mitte der sechziger Jahre wurde der Ebro aufgestaut. Nach dem Errichten der Staumauer wurde dieser Bereich ohne viel Rücksicht aufgestaut. So ist es nicht verwundlich das gesamte Plantagen und Landstriche einfach geflutet wurden. Und diese Plantagen sind noch heute unter Wasser zu finden. Daher raten wir DRINGEND sehr aufmerksam mit dem Boot zu fahren. Wenn man plötzlich ein Hinderniss knapp unter der Oberfläche auf dem Echolot entdeckt, ist es oftmals schon zu spät und die Schraube am Motor wird das Zeitliche segnen. Deshalb bitte unbedingt in Ufernähe und in Buchten extrem vorsichtig sein und bitte genügend Abstand zu den Steilwänden halten!!!

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Kein guter Ort um hier mit Vollgas durchzufahren! Diese beiden ragen zwar aus dem Wasser hinaus, aber wo die sind, sind auch mehrere Bäume und die sind erst dann sichtbar, wenn sie in der Schraube hängen. Allerdings ein gutes Plätzchen um erneut die Rute an den Start zu bringen.

So, oder so ähnlich sieht es auch in den Buchten aus. Oftmals sehr viel Baumbestand unter Wasser was ein Absinken des Köders oftmals auch einen Verlust des Köders zur Folge hat. Was aber nicht heißen will, das es hier nichts zu fangen gibt. Die Buchten sind weitgehenst vor Wind und Wetter geschützt, so dass diese hervorragende Schutzgebiete vieler junger Brutfische sind. Na, und wo Kleinfisch vertreten ist, ist der Räuber nicht weit entfernt.

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Unscheinbar dieser Anblick? Hier ist einer der listigsten Räuber des Ebros zuhause. Blacky, Black Bass oder ganz einfach Schwarzbarsch. Sein bevorzugtes Jagdgebiet sind genau diese Buchten mit ihren herrlichen „Verstecken“ für die Brut. Der Schwarzbarsch ist der Sportfisch Nr. 1 unter den Süsswasserfischen in Spanien. Unzählige Tournaments (Meisterschaften) wurden hier den vergangenen Jahrzehnten durchgeführt. Teams aus Japan und den USA gehörten mit zu diesen Turnieren. Und genau aus diesem Grund und der geringen Population ist der Schwarzbarsch ganzjährig geschützt und muss zwingend nach dem Fang schonend und vorsichtig zurückgesetzt werden. Das er so einzigartig ist und auch noch geschützt wird, scheint dieser Räuber zu wissen. Man braucht nicht zu meinen, das man mal eben in eine Bucht hineinbrummt und einen Schwarzbarsch fängt. Allein das Motorengeräusch bedeutet für ihn viel Spaß beim „verschaukeln“ der Angler. Brav schwimmt er dicht hinter dem geführten Köder bis zum Boot her, dreht ab und stellt sich wieder in Position. Köderwechsel, neuer Versuch, gleiches Spiel….. so kann man sich und den Fisch Stunden lang beschäftigen ohne Erfolg zu haben. Um diesen Räuber erfolgreich zu überlisten ist äußerste Ruhe angesagt, ein gut gewähltes Ködersortiment, feines Geschirr und größte Zielgenauigkeit beim Werfen. Oberflächenköder, kleine mehrteilige Wobbler oder kleine Gummis in Form von Imitaten wie Krebse oder Krabben können den Erfolg bringen. Das Fischen auf Schwarzbarsch ist sozusagen die Königsdisziplin beim aktiven Raubfischangeln!

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Was für ein Ausnahmefisch!! Diese Größe ist in der Tat eine Ausnahme, aber egal wie groß der Blacky auch ist, er ist ein Kämpfer par excellence. Der Drill wird lange in Erinnerung bleiben!

So langsam neigt sich unsere Tour dem Ende zu. Wir haben schon eine kleine Strecke Richtung Staumauer zu fahren. Aaaaaaber…… auf dem Heimweg kommen wir wieder an den Flachwasserzonen und den Steilwänden vorbei und genau hier kommen jetzt unsere Wobbler zum Einsatz. Und was gibt es schöneres, als wie nach den unzähligen Würfen ganz gemütlich mit einem Wobbler im Schlepp per Schrittgeschwindigkeit den Tag ausklingen zu lassen? Eigentlich nichts 🙂

Links und rechts im 90° Winkel die Ruten über die Bordwand halten, den Wobbler bei geöffnetem Bügel rund 30-40 Meter hinauslassen und den Bügel wieder schließen. Selbst bei Schrittgeschwindigkeit baut sich sofort Druck auf der Rute auf und der kleine Kerl beginnt seine Arbeit unter Wasser. Die besten Erfolge erziehlt man in Wassertiefen um die 10-12 Meter bei einer Schlepptiefe von rund 6 Metern. Genau deshalb sollten auch unbedingt ein paar tieflaufende Wobbler mit dabei sein. Wichtig dabei ist, das der Bootsführer im Echolot die Wassertiefe vor Augen hat, sonst ist mal schnell das gute Stück im „Untergrund“ verschwunden oder man zieht aussichtslos im 30-50 Meter tiefen Wasser seine Runden, das wäre natürlich blöd.

Zander, Barsche und auch ganz gerne Waller gehören zu den Kandidaten, die einen solchen Köder attackieren. Es vergeht kaum ein Tag beim Schleppen wo kein Waller zulangt. Daher ist es echt wichtig, dem festen Halt der Rute genügend Aufmerksamkeit zu schenken, sonst schwups ist sie weg. Manchmal gibt es auch Tage, wo beim Werfen nichts geht, dafür aber die Schleppangelei bestens funktioniert. Deswegen immer ein paar von den kleinen Wacklern dabei haben.

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Wie bereits bei den Gummis, zählt auch hier blau mit zu den Top-Farben.

So, wem haben wir jetzt hier kaum oder keine Beachtung geschenkt? Klar, dem Karpfen und Waller. Diese beiden werden im Thema „Unterer Stausee“ die Hauptrolle spielen. Nur soviel, es gibt sie im oberen Stausee zu genüge, allerdings ist es hier echt schwierig diese im unteren Bereich des oberen Stausees nachzustellen. Grund hierfür ist zum einen die hindernissreiche Unterwasserwelt und zum anderen die so wenig vorhandenen Uferplätze. Nur bei ganz geringem Wasserstand sind genügend Ufermöglichkeiten vorhanden, aber warum so umständlich wenn es unten viel einfacher und erfolgreicher zugeht?

Noch schnell ein paar Daten zum Fischen im oberen Stausee und dann seid Ihr auch schon erlöst!

Schonzeiten gibt es keine, ausgenommen wie bereits geschrieben, ist der Schwarzbarsch das ganze Jahr über geschützt. Mindestmaße gibt es ebenfalls nicht für Zander, Barsch, Karpfen und Waller – sollten aber aus Respekt nach eigenem Ermessen eingehalten werden. Die Gesamtlänge der aufgestauten Strecke beträgt ca. 105 km und sollte NICHT mit dem 15 PS Boot abgefahren werden 🙂

Das Nachtangeln sowie die Verwendung von lebenden und toten Köderfischen ist verboten und für die Fischerei dort, ist nur die Jahreslizenz Aragon von Nöten.

Das Mobilfunknetz ist sehr schlecht auf dem Wasser und das Fischen während der Dunkelheit bei ortsunkundigen Anglern sollte bitte nicht durchgeführt werden.

Wichtig vor jedem Tripp – BITTE BITTE vorher bei uns nach dem aktuellen Wetter (vor allem Gewitterwarnungen und Windverhältnisse) fragen.

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Denn der Ebro kann auch so und mit einem 4,50 Boot und drei Personen kann sowas schon sehr sehr brenzlich werden!

Soviel zum oberen Stausee. Ich hoffe, ich konnte Euch ein paar Eindrücke verschaffen und Euch richtig heiß auf’s aktive Fischen machen.

Wer Schreibfehler findet darf sie gerne behalten 🙂

Euer Jörg – Team Knittel

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P.S.: Und wie es sie im oberen Stau gibt 🙂